Bio-Hühnerpark gesteht Versäumnisse ein

23.06.2009 | Velbert/Gerlingen
20.000 Bio-Hühner noch immer ohne adäquaten Auslauf

In einem Fax an Radio Neandertal gaben die Velberter Hühnerbarone Richard und Andreas Hennenberg vergangene Woche erstmals zu, dass die 20.000 Hennen ihrer Hühnerfarm keinen adäquaten Auslauf hatten. Die Farm hat damit nie einen Anspruch auf das KAT- und das BIO-Siegel gehabt. Zudem besitzt der Betrieb keine Genehmigung für die Nutzung des an die Hühnerfarm angrenzenden Waldes als Weidefläche. Caspar von der Crone, Geschäftsführer der KAT (Verein für kontrollierte artgerechte Tierhaltung e. V.), räumte in einem Interview in der Sendung "markt" am 15. Juni 2009 schwere Versäumnisse der Farm Hennenberg ein.

Den Hühnern stehen zum jetzigen Zeitpunkt nur einige tausend Quadratmeter statt der geforderten acht Hektar zur Verfügung. Den angrenzenden Wald haben die Hühner so gut wie nie als Auslauf nutzen können, denn er war den Tieren weder zugänglich noch war er ordnungsgemäß eingezäunt. Ein ausreichender und zwingend erforderlicher Schutz vor Beutegreifern war nicht gegeben. Selbst wenn die Genehmigung für die Nutzung des Waldes nachträglich erteilt würde - was laut der Tierrechtsorganisation PETA ein Skandal wäre - und die Hennenbergs nach zwei Jahren Produktion endlich genügend Flächen für größte Biofarm in NRW nachweisen könnten, ist der Imageschaden für die Bio-Branche immens.

"Es handelt sich bei den Hennenbergs nicht um Biobauern, sondern um Agrarindustrielle, die über Jahrzehnte hinweg Legebatterien betrieben und Hühner unter grausamsten Bedingungen gehalten haben. Dass es den Tieren auch in der angeblichen Bio-Farm nicht gut geht, zeigte sich mir bei einem Blick in die Mülltonne vor dem Stall: Diese war randvoll mit nackten toten Hühnern", so Campaigner Stefan Bröckling von PETA.

Die Tierrechtsorganisation versucht nun, etliche offene Fragen in diesem Fall zu klären. Stefan Bröckling: "Wie konnten die Hennenbergs das Bio- sowie das KAT-Siegel erhalten, ohne über die gesetzlich vorgeschriebenen Auslaufflächen zu verfügen? Wie konnte dieser Betrug über zwei Jahre lang aufrecht erhalten werden? Und wäre die Verbrauchertäuschung überhaupt aufgefallen, wenn PETA und die Bürgerinitiative Fettenberg nicht darauf hingewiesen hätten? Warum wurden erst nach zwei Jahren - genau genommen nach der ersten KAT-Kontrolle am 18.5.2009 - die erforderlichen Unterstände für die Hennen auf der Wiese errichtet? Und die für mich interessanteste Frage: Warum wird Hennenbergs Eier-Printnummer 0-DE-0521901 seit dem gestrigen Montag nicht mehr auf KATs Website www.was-steht-auf-dem-ei.de gelistet?"

Die von KAT angekündigte zweite Prüfung hat wahrscheinlich bereits stattgefunden. PETA erwartet von der KAT nun, Richard und Andreas Hennenberg das Gütesiegel zu entziehen: "Alles andere wäre unglaubwürdig." Die Tierrechtsorganisation wird an der Strafanzeige wegen des Verdachts des Betrugs festhalten.

Quelle: Pressemeldung PETA Deutschland e.V.

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