Klimawandel: Marktkommentar von Ad Schellen

22.04.2008 | Wiesbaden
Biokraftstoffe sind im Trend. Doch: "Anleger können nicht mit reinem Gewissen in Biokraftstoffe investieren. Wer in alternative Energien investieren möchte, sollte auf Solar- und Windenergie setzen", so der Tipp von Ad Schellen, Fondsmmanager des Delta Lloyd Water & Climate Funds.

"Anleger können nicht mit reinem Gewissen in Biokraftstoffe investieren. Wer in alternative Energien investieren möchte, sollte auf Solar- und Windenergie setzen."

Biokraftstoffe sind im Trend. Immer mehr Länder setzen auf die grüne Energie, um das Klima zu schützen und auch für die Zukunft ihre Energieversorgung sicherzustellen. Mithilfe erneuerbarer Ressourcen streben die Industrienationen eine Diversifikation ihres Energieverbrauchs an.

Was für Brasilien gang und gäbe ist, ist für Deutschland noch vergleichsweise neu: Kraftstoffe aus Bioethanol, das aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Hierzulande wird Biosprit vor allem aus Raps und Getreide erzeugt. Mit ihrer Biokraftstoff-Richtlinie fördert die EU diese Entwicklung mit dem Ziel, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent der Treibstoffe durch Biosprit abzudecken. So musste der Bioanteil schon in diesem Jahr bei zwei Prozent liegen. Aktuell hat das deutsche Umweltministerium seine ambitionierte Biosprit-Verordnung für Deutschland angesichts einer unvorhergesehen hohen Anzahl von Fahrzeugen, die den neuen Biosprit nicht vertragen, allerdings zurückgezogen. So wird der für 2009 geplante höhere Anteil von Biosprit gestoppt. Für die Klimaschutzziele der EU wird dies jedoch keine Folgen haben.

Längst sind auch Anleger auf den Trend bei Biokraftstoffen aufgesprungen. Der aktuelle Tiefstand der Aktien in diesem Segment ist für interessierte Anleger Anreiz, um in diesen Sektor einzusteigen. Doch Anleger sollten dabei nicht außer Acht lassen, dass das Risikoprofil und die Volatilität dieser Werte extrem hoch sind.

Überdies ist das Thema Biokraftstoffe stark in die Kritik geraten: Für den Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe werden riesige Anbauflächen benötigt. Nicht zuletzt ist die Abholzung der brasilianischen Regenwälder dieser Entwicklung zuzuschreiben. Im Zuge der daraus entstehenden Flächenkonkurrenz wird gleichzeitig vor einer weltweiten Verknappung und einer damit einhergehenden Verteuerung von Lebensmitteln gewarnt. Im Extremfall kann dies zudem zu einer negativen Ökobilanz führen. Schon jetzt stammen die meisten Kohlendioxid-Emissionen Brasiliens aus der Entwaldung. Eine Zunahme des Zuckerrohranbaus kann diesen Trend verstärken.

Folglich können Anleger nicht mit reinem Gewissen in Biokraftstoffe investieren. Es gibt jedoch gute Alternativen. Neben der Solarenergie ist die Windkraft ein zukunftsfähiges Segment, das auch für die Stromerzeugung zum Antrieb von Hybridfahrzeugen genutzt werden kann. Wer in alternative Energien investieren möchte, sollte daher auf Windenergie setzen.

Die langfristigen Perspektiven für dieses Segment sind gut und es ist damit interessant, in die Top-Unternehmen in diesem Sektor zu investieren. Mit dem Delta Lloyd L Water & Climate Fund setze ich unter anderem auf die beiden folgenden Werte:

  • Vestas: Der dänische Windkraftanlagen-Produzent ist mit einem Marktanteil von 23 Prozent und 35.000 installierten Windenergieanlagen der weltweit führende Hersteller von Windenergielösungen. Das Unternehmen hat seine Zielvorgaben für das Geschäftsjahr 2007 heraufgesetzt und erwartet nunmehr für 2007 eine EBIT-Marge von 9 Prozent anstelle von zuvor 8 Prozent. Vestas weist enormes Kurssteigerungspotenzial auf, das auf einem anhaltend positiven Newsflow basiert und auch für 2008 zu erwarten ist.
  • Suzlon Energy: Das indische Unternehmen gehört weltweit zu den größten Herstellern von Windturbinen. Derzeit expandiert Suzlon stark im Ausland und plant, rund 2 Milliarden Dollar in die Erweiterung seiner Produktionskapazitäten zu investieren. Ein bedeutender Anteil geht an die Tochter Hansen Transmissions International, wo die Fertigungskapazität mehr als vervierfacht werden soll. Der Windkraftanlagenhersteller investiert auch bei der deutschen REpower Systems AG, wo Suzlon größter Anteilseigner ist. Mit Investitionen in Höhe von rund 800 Millionen Dollar will der indische Mutterkonzern die eigenen Kapazitäten bis März nächsten Jahres verdoppeln.

Was Biokraftstoffe angeht, so setze ich Hoffnungen auf Biotreibstoffe der zweiten Generation, die eine weitaus bessere Ökobilanz aufweisen. Für die Herstellung dieser Treibstoffe können sämtliche Pflanzenteile und damit auch Holzabfälle genutzt werden. Die ersten Produktionsanlagen hierfür stehen gerade in den Startlöchern. Allerdings werden diese Kraftstoffe mit nennenswerten Volumenanteilen erst in fünf bis acht Jahren zur Verfügung stehen.

Quelle: Pressemeldung Delta Lloyd Deutschland AG

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