Schavan: "Jetzt in Zukunftstechnologien investieren"

12.03.2009 | Berlin
Bundesministerin eröffnet in São Paulo die Umweltmesse ECOGERMA

Bundesministerin Annette Schavan hat am Donnerstag in São Paulo die deutsch-brasilianische Messe für Umwelttechnologien ECOGERMA eröffnet. "Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise müssen wir gerade jetzt in Zukunftstechnologien investieren", sagte Schavan. "Umwelttechnologien schaffen zweierlei: Sie sind ein sehr guter Weg, um den steigenden Herausforderungen beim Klimawandel und beim Umweltschutz gerecht zu werden. Und sie sind ein rasant wachsender Markt, von dem deutsche Unternehmen besonders profitieren können. Unternehmen aus Deutschland sind schon jetzt auf diesem Gebiet weltweit führend - und sie können ihre Spitzenposition künftig weiter ausbauen." Die Messe ECOGERMA bietet Wirtschaft, Forschung und Politik Gelegenheit, sich über neueste Entwicklungen "Made in Germany" zu informieren. Während der vier Messetage werden 20.000 bis 30.000 Besucher auf dem größten Messegelände Südamerikas erwartet.

Technologien rund um das Thema Umwelt boomen: Das globale Marktvolumen für Umweltschutztechnik liegt bereits heute bei mehr als 1.000 Milliarden Euro, im Jahr 2020 dürfte der weltweite Umsatz nach Schätzungen von Experten sogar auf 2.200 Milliarden Euro ansteigen. Unternehmen aus Deutschland haben am Markt für Umwelttechnologien einen großen Anteil: Schon im Jahr 2006 exportierte die deutsche Wirtschaft Umweltschutzgüter im Wert von 56 Milliarden Euro ins Ausland - das entspricht einem Welthandelsanteil von 16 Prozent. Brasilien ist für Deutschland auch branchenübergreifend ein sehr wichtiger Handelspartner: Die deutsche Industrie ist mit 1.300 Unternehmen im Land vertreten und repräsentiert zehn Prozent des industriellen Bruttoinlandsproduktes.

Die ECOGERMA wird von der deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer ausgerichtet und von der Bundesregierung gefördert. Die Regierung folgt damit dem im November 2008 beschlossenen Masterplan Umwelttechnologie. Ziel ist es, das ökonomische Potenzial der Umwelttechnologien für die deutsche Wirtschaft zu erschließen und die Instrumente der Umwelt- und Innovationspolitik noch stärker als bisher zu verzahnen.

Ministerin Schavan war vor ihrem Besuch nach Brasilien mit einer hochkarätig besetzten Delegation aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bereits drei Tage in Chile. Dort führte sie Regierungsgespräche mit Erziehungsministerin Mónica Jiménez, Außenminister Alejandro Foxley, Wirtschaftsminister Hugo Lavados und Landwirtschaftsministerin Marigen Hornkohl. Deutsche und chilenische Hochschul- und Wissenschaftsorganisationen unterzeichneten dort mehrere Abkommen, die den Austausch von Wissenschaftlern zwischen beiden Ländern erleichtern und neue Anreize schaffen sollen. So vereinbarte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit dem chilenischen Erziehungsministerium ein Abkommen über Stipendien und den Austausch von Nachwuchs-Wissenschaftlern. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vereinbarte mit ihrer chilenischen Partnerorganisation eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Doktorandenausbildung. Die Alexander von Humboldt-Stiftung startet nun mit ihren Partnern in Chile einen neuen Forschungspreis für Spitzenwissenschaftler. Ein weiteres Abkommen zwischen der InWENT gGmbH in Bonn und dem chilenischen Erziehungsministerium stärkt das chilenische Berufsbildungssystem.

In Chile sprachen Ministerin Schavan und Chiles Wirtschaftsminister Hugo Lavados auch über die Pläne der Fraunhofer-Gesellschaft, im Rahmen eines neuen chilenischen Innovationsprogramms ein Fraunhofer Center für Systembiotechnologie einzurichten. Das neue Zentrum soll als Kooperationsplattform für gemeinsame Projekte zwischen chilenischen Universitäten und Fraunhofer dienen, unter anderem in den Bereichen Ernährung, Aquakultur und erneuerbare Energien. Gemeinsame Forschungsprojekte von deutschen und brasilianischen Forschern will die Fraunhofer-Gesellschaft in Brasilien vorantreiben. Präsident Hans-Jörg Bullinger unterzeichnete in São Paulo eine Kooperationsvereinbarung mit dem brasilianischen Institut für Technologieforschung (IPT). Erste gemeinsame Projekte sind die Produktion von bioabbaubarem Plastik auf der Basis von Zuckerrohr und die automatisierte Ultraschallprüfung von Rädern von Hochgeschwindigkeitszügen.

"Ich habe bei meinen Gesprächspartnern in Südamerika gespürt, wie stark das Interesse an Bildung und Forschung ist", sagte Ministerin Schavan. "Meine Kollegen und ich waren uns einig, dass Bildung und Forschung der Schlüssel für künftigen Wohlstand und das Wohlergehen unserer Gesellschaften sind." Zum Abschluss wird die Ministerin nach Kolumbien reisen und Staatspräsident Alvaro Uribe treffen, der erst vor wenigen Wochen in Berlin zum Staatsbesuch war und dabei neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Ministerin Schavan getroffen hatte.

Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung

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